Alpiner Notfallkurs auf der Gruttenhütte

Am Wochenende vom 26. bis 27. September 2026 ging es für Viki, Lorenz, Bene, Amelie und mich zum Alpinen Notfallkurs auf die Gruttenhütte. Gemeinsam mit weiteren Teilnehmern der TAK erwarteten uns dort 16 Stunden Ausbildung mit erfreulich viel Praxis. Durchgeführt wurde der Kurs von Klaus und Georg Landendinger von der Sektion Gangkofen und der TAK.

Los ging es am Samstag um 7:30 Uhr an der Kletterhalle in Burghausen. Nach etwa zwei Stunden Fahrt folgte der gemütliche Aufstieg zur Gruttenhütte, bei dem natürlich auch ausgiebig geratscht wurde. Unser Ziel lag auf 1.620 m auf der Südseite des Wilden Kaisers.

Nachdem wir unser Matratzenlager bezogen und eine Brotzeit gemacht hatten, startete um 13 Uhr der Kurs.

Nach einer kurzen Einführung ging es direkt nach draußen. In zwei Gruppen übten wir unter anderem das Einweisen eines Rettungshubschraubers, die möglichst genaue Beschreibung des eigenen Standorts und den Bodycheck eines Verletzten. An der zweiten Station standen die stabile Seitenlage am Hang, das Retten aus einem Gefahrenbereich, improvisierte Tragen und das Notbiwak auf dem Programm.

Eine Sache wurde uns dabei von Anfang an besonders eingebläut: Wärmeerhalt, Wärmeerhalt, Wärmeerhalt! Auch wer sonst keinerlei medizinische Kenntnisse hat, kann einen Verletzten vor weiterer Auskühlung schützen. Rettungsdecke, Biwaksack oder zusätzliche Kleidung sind schnell eingesetzt und können im Ernstfall einen entscheidenden Unterschied machen.

An dieser Stelle möchten wir auch die Empfehlung für die Rucksackapotheke mit euch teilen.

Rucksackapotheke 1:

  • Pflaster, Binde und Tape
  • 2 Dreiecktücher oder Buffs
  • 2 Verbandspäckchen und sterile Kompressen
  • Steri Strips (Klammerpflaster)
  •  Rettungsdecke
  • Schere und Zeckenzange
  • Handschuhe ggf. Desinfektionsmittel
  • Sekundenkleber und 2 Tampons

Rucksackapotheke 2 / Notbiwak:

  • Handy, Powerbank und Kabel
  • Stirnlampe
  • Biwaksack
  • Schiene und Kabelbinder
  • Wollmütze und Handschuhe
  • Feuerzeug
  • Wasser und Notproviant
  • Landkarte
  • Schafkopfkarten/Gipfelschnaps für die gute Laune 😉

Nach dem Abendessen ging es noch einmal hinaus in die Dunkelheit, um einen Notfall bei Kälte und schlechter Sicht zu simulieren. Bei Vollmond und bestem Wetter kam allerdings eher romantische als dramatische Stimmung auf.

Am Sonntag folgte der nächste Praxisblock, bei dem wir wieder in zwei Teams aufgeteilt wurden. Wir übten die Reanimation mit Defibrillator, verschiedene Druckverbände und den Einsatz einer SAM Splint Schiene bei unterschiedlichen Verletzungen. Außerdem lernten wir, wie sich mit einfachen Mitteln improvisieren lässt. Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei, um alles selbst auszuprobieren.

Nach einem abschließenden Theorieteil und einer kurzen Brotzeit ging es gemeinsam bergab. Dort wartete noch die Abschlussübung. Von einem panischen Wanderer und der Suche nach einem Vermissten über die Erstversorgung bis zur Bergung aus dem Hang mussten wir eine komplette Rettung durchspielen. Und als wir dachten, wir hätten es geschafft, musste auch noch Klaus reanimiert werden. Zum Glück konnten wir ihn rechtzeitig gegen Reanimationspuppe Anne austauschen und uns so ohne Rücksicht auf seine Rippen austoben.

Am Parkplatz gab es schließlich unsere Urkunden und einige nützliche Unterlagen. Kurz vor 19 Uhr brachte uns Lorenz wieder sicher zurück zur Kletterhalle nach Burghausen.

Ein sehr lehrreiches und gleichzeitig lustiges Wochenende, bei dem wir neben den klassischen Erste Hilfe Maßnahmen auch viele praktische und unkonventionelle Tipps mitnehmen konnten. Hoffentlich brauchen wir sie nie. Aber wenn doch, sind wir jetzt ein gutes Stück besser vorbereitet. Ein großes Dankeschön an Familie Landendinger für die zwei lehrreichen Tage und die vielen hilfreichen und praktischen Tipps!